Lied: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir (EG 299) oder: Hoffnung für Kinder unter uns/Hope for the children in our midst (TM 239b)
Während dieses Liedes wird die Bibel (ggfls. auch eine Ikone vom Apostel Stephanus nach vorne in den Altarraum gebracht)
II) Erinnerung und Umkehr
Erste Biblische Lesung: Apostelgeschichte 7, 54-59
Hinführung:
Über den charismatischen Prediger, geistbegabten Gemeindeleiter und Apostel der hellenistisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem, den heiligen Stephanus, heißt es in der Apostelgeschichte, nachdem die Vertreter der religiös etablierten Gruppen die Kritik des Stephanus an der Diskriminierung prophetischer Prediger unerträglich fanden:
Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
56 und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. Saulus aber war mit dem Mord einverstanden.
Einladung zu Besinnung und Umkehr
Liturg: Saulus, der spätere Apostel Paulus, war unter denen, die Stephanus, den ersten christlichen Märtyrer umgebracht haben. Saulus war davon überzeugt, daß er gerecht gehandelt und eine heilige Pflicht erfüllt hat, als er der Ermordung des prophetischen Predigers Stephanus in Jerusalem beiwohnte. Das Christentum kennt eine schmerzvolle und ambivalente Geschichte der eigenen Teilhabe oder der passiven Unterstützung von Gewalt aus den vermeintlich besten Gründen. Opfer und Menschen, die unterdrückt waren, können erneut selber zu Gewalttätigen und Unterdrückern werden. Es gibt Zeiten, in denen wir uns zu Aggression, Gewalt und Intoleranz hinreissen lassen. Es gibt Zeiten, in denen wir diejenigen sind, die anderen Schmerz verursachen. Es gibt Zeiten, in denen wir zusehen und billigend in Kauf nehmen.
Vergegenwärtigung der eigenen Verstrickung in Gewalt
(Die gleichen fünf Personen treten nach vorne an den Altar mit unterschiedlichen Gegenständen, die die Gewalt(verhältnisse) symbolisieren).
S1: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die daran leiden, daß ihre Eltern im Streit miteinander leben und keine Zeit für sie haben...
S2: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die erpresst werden von Jugendgangs, weil sie schutzlos sind und alleingelassen...
S3: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die missbraucht werden durch seelische oder körperliche Gewalt und die keinen haben, an den sie sich wenden können, weil alle wegsehen oder keiner den Mut hat einzuschreiten.
S4: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder, die schutzlos der Bilderflut von Zerstörung, Haß und Gewalt in Video, Fernsehen und Internet ausgesetzt sind...
S5: Wir sind gefangen in Gewalt, denn es sind unsere Kinder in unserer Partnerkirche in (Land), die zum Krüppel werden, weil keine Finanzmittel bereitstehen zur Räumung des Landes von Minen und Kriegsmunition.
Liturg: Brüder und Schwestern in Christus! Wir werden nicht die Gewalt überwinden, wenn wir uns nicht der Gewalt, die in uns selber ihr Unwesen treibt, kritisch stellen und sie überwinden. Laßt uns einen Moment innehalten, um nachzudenken über unsere Verstrickung und Gefangenschaft in Gewalt.
Moment der Stille (ggfls. verbunden mit Betrachtung der Ikone des Hlg. Stephanus)
Lied: A ti Señor te pedimos (Chile) TM 29
Das Versöhnungsgebet von Coventry
S1: Liebe Gemeinde,
Wenn wir innehalten und vor Gott aussprechen, was uns erschreckt im Blick auf Gewalt unter uns und angesichts dessen, was Kindern angetan wird, dann werden wir auch offen, noch weiter zu fragen: In die Gegenwart Gottes bringen wir nicht nur die Opfer, sondern immer zugleich uns selbst, verstrickt und belastet mit einer langen Geschichte von Gewalt. Vor Gott können wir auch die Frage an uns heranlassen, welche Anteile wir selbst, unsere Kirche und Fehlformen unseres Glaubens an der Stützung und Legitimierung von Gewalt hatten und haben.
(Als Symbol wird eine Uhr vor die Kerze auf den Boden gelegt)
(Als Symbol wird ein Baseballschläger vor die Kerze auf den Boden gelegt)
(Als Symbol wird eine Binde vor den Augen auf den Boden gelegt)
(Als Symbol wir ein Video auf den Boden gelegt)
(Als Symbol wird eine militärische Waffe oder eine Landkarte der betreffenden Region der Partnerkirche auf den Boden gelegt).
Oder: Herr, erbarme Dich (EG 178.11)
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